Ev.-luth. Kirchengemeinde Eilvese
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Hör mal!


Wie Weihnachten in den letzten Jahrzehnten gefeiert wurde.

Im Gottesdienst am 1. Weihnachtstag 2013 haben einige aus

unserer Gemeinde von "ihrem" Weihnachtsfest berichtet.

Gespielt und berichtet von: Walter Hillmer, Diana Dannenberg,

Kira Bärthel, Laura Mehring, Werner Nuttelmann, Iris Thoms-Bösch,

Stefan Neumann, Silvia Behrens, Michael Homann, Emma Jacobs.

 

25. Dezember 1930

Erstes Weihnachtsfest im eigenen Heim nach meiner Hochzeit mit Elisabeth. Sie hat mir einen Pullover gestrickt und ich habe ihr eine Platte von Marlene Dietrich gekauft. Es war richtig heimelig und gemütlich bei uns zu Hause. Wochenlang haben wir gespart, um uns eine Weihnachtsgans leisten zu können und Elisabeth hat immer wieder selbst etwas von ihrem Wirtschaftsgeld abgezwackt. Leider ist ihr das Essen aber überhaupt nicht gelungen: Der Vogel war außen schwarz und innen ganz hart. Aber wir haben einfach darüber gelacht – haben wie die Wilden die Kruste abgezogen und sie zu Klößen und Rotkohl gegessen.

Um Mittnacht waren wir dann zusammen im Gottesdienst, in der Christmette. Sind durch den Schnee dorthin gelaufen, und sie hat sich bei mir untergehakt.

Ich bin gespannt, was sie aus dem restlichen Fleisch jetzt noch zaubert, das muss ja irgendwie verwertet werden.

 

25. Dezember 1934

Heute war ein wunderschöner, aber auch anstrengender Tag. Ich habe jetzt das erste Mal Zeit durchzuatmen. Herbert hat sich hingelegt und liest in den Buddenbrooks – die habe ich ihm mit List und Tücke heimlich besorgt.

Heini war so süß! Mit seinen Patschehändchen wollte er immer in die Kerzen fassen und hat so gestrahlt! In zwei Jahren wird ihm die Weihnachtsgans auch schmecken. Sie ist mir heute aber auch besonders gut gelungen, ganz besonders zart und knusprig! Und die glasierten Maronen dazu!

Ich wollte die Gans eigentlich bei Goldstein kaufen, aber davor standen zwei Männer in Uniform und mit einem Plakat in der Hand: Deutsche, kauft nicht bei Juden! Das hat mir richtig Angst gemacht – auch wenn ich das eigentlich nicht richtig finde, habe ich dann trotzdem bei Dietrichs eingekauft. Die Gans war auch nicht schlecht und so groß, dass der Rest noch für zwei Mahlzeiten reicht.

 

25. Dezember 1939

Papa war heute nicht da. Aber wir hatten trotzdem ein ganz schönes Fest – mit Mama und Oma. Ich habe ein Gedicht aufgesagt, das ich in der Schule gelernt habe: Das deutsch Julfest. Und meine Schwester hat Mama einen Weihnachtsengel gemalt. Endlich gab es auch mal wieder Fleisch zu essen – da haben wir schon den ganzen Monat drauf verzichtet. Papa kommt vielleicht an Silvester wieder. Mama sagt, dann feiern wir noch einmal richtig. Im Moment ist er weit weg, in Polen. Aber er hat geschrieben, dass er dann Urlaub hat. Der Krieg ist wohl fast zu Ende, sagen zumindest die Leute. Auch wenn Oma das eher nicht glaubt. Aber das sagt sie nicht laut.

 

25. Dezember 1944

Eine Nacht ohne Fliegeralarm! Das war das schönste Weihnachtsgeschenk! Wo Otto wohl den Heiligen Abend verbracht hat? Vielleicht gar nicht weit von hier – die Front ist ha keine 200 km entfernt...

Bald sei der Krieg zu Ende, hat er im letzten Brief geschrieben. Ich glaub nicht mehr dran. Aber er schreibt auch: Wenn wir den Krieg überleben, dann dürften wir uns als Deutsche nie wieder im Ausland blicken lassen.

Was wollen wir schon im Ausland – wenn es nur hier endlich wieder Frieden gäbe. Ich habe für eine Leberwurst angestanden. Klaus ist bei einer Trümmerräumkolonne und hat eine Dose Sauerkraut zugeteilt bekommen. Heidrun bekam von den Großeltern sechs Äpfel. Ich hatte noch acht Kartoffeln und heute Vormittag gab es für zwei Stunden Gas. Ich habe uns ein Festmahl gekocht. Hoffentlich hat Otto die Feldpost bekommen – ich konnte 200 Gramm Schweineschmalz für ihn ergattern!

 

25. Dezember 1947

Was für ein schönes und friedliches Weihnachtsfest. Ich habe Karten für “Die Fledermaus” ergattert – Hilde und ich gehen an Silvester also ins Theater! Es hat mich meine ganze Zigarettenration dieses Monats gekostet, aber Hildes strahlende Augen waren das allemal wert!

Auch sie hatte sich eine Überraschung überlegt: Es gab tatsächlich Huhn heute – sie war aufs Land gefahren und hat ihre Granatbrosche gegen 10 Eier und dieses Huhn eingetauscht. Noch vor drei Jahren hätte ich nie gedacht, dass so ein Weihnachten wieder möglich sein würde!

 

25. Dezember 1952

Das Fest war wirklich schön! Es gab ein richtiges Weihnachtsmahl: Lachs, Ochsenschwanzsuppe, eine Gans und zum Nachtisch sogar tiefgekühlte Erdbeeren mit Schlagsahne.

Für Petra haben wir eine Pelzjacke gekauft, und Heiner hat sein ersehntes Moped bekommen. Unglaublich: Josef hat uns allen – der ganzen Familie – eine Reise nach Italien geschenkt. Über Ostern fahren wir alle vier. Die Devisenzuteilung ist so gut wie sicher, und das Visum werden wir schon bekommen, sagt er. Die Kinder freuen sich wie verrückt – sie waren schließlich noch nie in ihrem Leben im Ausland.

Gleich machen wir einen kleinen Verdauungsspaziergang, alle miteinander und beschließen den Tag unter Sternenklarem Himmel.

 

25. Dezember 1960

Weihnachten auf See – ich liege gerade auf Deck der ‘Esperanza’ und blinzle in die Sonne. Es ist das erste Mal, dass wir als Familie nicht zusammen Weihnachten feiern. Aber Kurt wollte mit Elsa nach Arosa fahren, und Gudrun ist von Jackys Eltern in ihren Bungalow nach Kitzbühel eingeladen worden. Morgen laufen wir die Kanarischen Inseln an. Das Weihnachtsfest an Bord war recht elegant – ich kann stolz sein, dass ich durch meine Arbeit die Möglichkeit hatte, hierfür Tickets zu bekommen.

Aber eigentlich war das Galadinner auch ein wenig zu üppig – wenn ich bedenke, dass wir nicht einmal die Hälfte der Sachen probieren konnten.

 

25. Dezember 1965

Auch dieses Fest ist überstanden. Es wirft meine ganze Kalorientabelle durcheinander. Nachdem Karl letztes Jahr die üble Gallenkolik bekommen hat, haben wir versucht, vor allem leicht verdauliche Sachen zu essen. Aber trotzdem habe ich zu sehr zugeschlagen.

Der Heilige Abend war recht stimmungsvoll, die Fernsehfritzen haben sich wirklich Mühe gegeben mit dem Programm, das muss ich schon sagen. Die Große war leider nicht da – aber sie hat uns wenigstens eine Karte geschickt. Heike hat sich gefreut, mal ganz im Mittelpunkt zu stehen, das ist ja auch was wert. Vielleicht fahre ich morgen mal die Enkelkinder besuchen, mit Martin ist ja doch nichts los. Schon übermorgen beginnen die neuen Tarifverhandlungen und die Feilscherei um die Fusion mit der Buntmetall AG. Nicht einmal zwischen den Jahren hat man seine Ruhe...

 

25. Dezember 1973

Haben wir uns auf Weihnachten gefreut! Nachdem dieses große nationale Unglück über uns gekommen ist, indem uns die Araber weniger Öl lieferten, so dass wir vier Sonntage lang nicht mit dem Auto fahren konnten, habe ich einen ganzen Kanister voll Benzin gehamstert. Und dann ist mir der Kanister in der Garage explodiert, als ich mir eine Zigarette angezündet habe. Und jetzt, jetzt liege ich im Krankenhaus und muss froh sein, dass mir nichts Schlimmeres passiert ist. Zum Glück ist dem Wagen nichts passiert!

Meine Schwester hat ihrem Mann vor drei Wochen endlich einen Sohn geschenkt. Da freue ich mich schon drauf, wenn der Kleine Weihnachten so richtig erleben kann wie unsereins! Dann kann die Langspielplatte mit den Weihnachtsliedern von Heintje ausbleiben und wir singen wieder selbst. Und ein richtiger Tannenbaum mit echten Kerzen, der muss dann auch wieder her. Statt der elektrisch beleuchteten Zeder.

 

25. Dezember 1989

In diesem Jahr verzichten wir auf das gegenseitige Beschenken. Irgendwie haben wir ja auch alles, was wir brauchen. Oma und Opa, und Mama und Papa erst recht. Wenn ich bedenke, was die immer erzählen, wie die früher Weihnachten gefeiert haben. Und was die sich an Besitz hart erarbeiten mussten. Das Haus eigenhändig aufgebaut – mit Nachbarn und Freunden zusammen. Und nun ist es eben eingerichtet – es ist alles da.

Aber andererseits: Eine Kleinigkeit habe ich doch besorgt – so ganz ohne Geschenke, das geht ja auch irgendwie nicht.

Trotzdem: Wenn ich so daran denke, dass in anderen Ländern Menschen verhungern – dann ist unser Weihnachten hier schon wirklich dekadent. Manche Menschen empfanden im vergangenen Jahr Gorbatschow, den russischen Generalsekretär, als einen Friedensengel. Warten wir es ab.

 

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